Wenn das Essen wieder gelernt werden muss

Bewusst statt hastig und nebenbei: Das Reha-Zentrum Mölln schult achtsames Essen mit Genuss.

Ein kurzer Blick aufs Handy während des Mittagessens. Das schnelle Frühstück während der Arbeit. Ein hektischer Biss in den Schokoriegel auf dem Weg zum nächsten Termin. Viele Menschen kennen solche Situationen: Der Blutzuckerspiegel sinkt, das entstandene Hungergefühl wird eilig befriedigt – unter Zeitdruck und ohne Genuss. Für eine bewusste und achtsame Ernährung nehmen sich Menschen immer weniger Zeit. Oft habe das Folgen für die Gesundheit, erklärt Claudia Gärtner, Fachärztin für Psychosomatik und Psychotherapie sowie Chefärztin am Reha-Zentrum Mölln in der Klinik Hellbachtal. „Beschwerden in der Psychosomatik entstehen häufig nicht nur durch körperliche Ursachen, sondern auch durch weitere Aspekte wie Stress, emotionale Belastung und Lebensgewohnheiten.“ Essen als emotionale Regulation Essen wird für viele Menschen unbemerkt zu einer Art emotionalem Ventil, was zu unregelmäßigem Essen führen kann. Hunger- und Sättigungsgefühle werden ignoriert. Weitere negative Folgen von gestörtem Essverhalten können zum Beispiel sein, dass man zwanghaft isst – also auch ohne Hunger –, dass der Appetit durcheinandergerät oder dass man unabsichtlich zunimmt. „Wir stellen uns die Frage, wie Ernährung die psychischen Beschwerden beeinträchtigen kann“, erklärt die Ärztin. In ihrem Arbeitsalltag verfolgt Gärtner daher einen ganzheitlichen Ansatz und arbeitet dafür eng mit der Ernährungsberatung zusammen. Dabei stehen Achtsamkeit und Genuss im Fokus. Erlerntes zu Hause umsetzen Wie schmeckt etwas? Wie riecht es? Worauf habe ich Appetit? Achtsam zu essen heißt, Hunger und Sättigung bewusst wahrzunehmen, auf Geschmack und Geruch zu achten, langsam zu essen und sich dabei nicht ablenken zu lassen. „Viele Patientinnen und Patienten können sich gar nicht mehr vorstellen, wie etwas schmeckt, und entwickeln demzufolge auch keinen Appetit“, erklärt Gärtner. Sie müssen erst wieder herausfinden, was sie gerne essen und was ihnen guttut. Aber auch das regelmäßige, gemeinsame Essen steht auf dem Behandlungsplan. Dabei wird nicht nur das Essen, sondern auch die Vor- und Nachbereitung sehr bewusst gestaltet: Vor dem Essen halten die Patientinnen und Patienten einen Moment inne und überlegen, wie viel Hunger sie haben, wie sie sich fühlen oder ob sie Appetit auf das Essen haben. Auch nach dem Essen bleiben sie am Tisch und spüren nach, wie es sich anfühlt, satt zu sein. Denn es geht nicht nur um Ernährungstipps, sondern auch um die psychische und emotionale Verfassung der Patientinnen und Patienten. „Wenn ein Patient erzählt, dass er sich erstmal eine Tafel Schokolade holt, wenn es ihm nicht gut geht, dann raten wir ihm, das Gefühl zuzulassen, um zu erkennen, worum es eigentlich geht“, sagt Gärtner. Ihr ist wichtig, dass die erlernten Verhaltensweisen auch zu Hause umgesetzt werden können, um den nachhaltigen Erfolg der Behandlung sicherzustellen.

So gelingt achtsames Essen:

  • Innehalten vor dem Essen: kurz fragen, wie hungrig man ist und ob das Essen Appetit macht.
  • Langsamer essen: bewusst kauen und Besteck zwischendurch ablegen.
  • Sinne nutzen: Geschmack, Geruch und Konsistenz des Essens bewusst wahrnehmen.
  • Portionen einschätzen: den Teller nicht zu voll laden und überlegen, wie viel man wirklich schafft.
  • Ablenkungen vermeiden: nicht nebenbei arbeiten oder lesen, Handy weglegen.
  • Regelmäßige Mahlzeiten: wieder einen Rhythmus mit festen Frühstücks-, Mittags- und Abendbrotzeiten etablieren.
  • Nach dem Essen nachspüren: einen Moment sitzen bleiben und fühlen, wie sich der Bauch anfühlt, eventuell den Bauch berühren.
  • Gefühle zulassen: bei emotional bedingtem Essen das Gefühl einen Moment zulassen, um zu erkennen, worum es eigentlich geht.

Rote Linsensuppe

mit Petersilien-Eierstich

Schüssel mit cremiger orangefarbener Suppe auf einem Holztisch, garniert mit Eierstich, Petersilie, etwas Öl und Gewürzen; daneben liegt ein Löffel auf einer Serviette.

Zutaten für vier Personen:

1 Bund Petersilie 2 Eier 120 g Zwiebeln 5 g Rapsöl 1 l Wasser 1 EL Gemüsebrühe, instant 100 g rote Linsen 200 g Blumenkohl Jodsalz, Pfeffer, Curry, geriebene Muskatnuss Nährwertangaben pro Portion: 126 kcal / 8,1 g Eiweiß / 6 g Fett / 9 g Kohlenhydrate / 3,2 g Ballaststoffe

Zubereitung: Die Petersilie waschen, mit den Eiern im Mixer kurz durchmixen. Mit Pfeffer und Muskat würzen. Eine flache Form etwas ausfetten, die Masse hineingeben und zugedeckt ca. 20 Minuten im Wasserbad stocken lassen. Inzwischen die Zwiebeln fein würfeln, das Öl erhitzen und die Zwiebeln glasig dünsten. Das Wasser angießen und Gemüsebrühe dazugeben, aufkochen lassen. Die Linsen hineingeben und zugedeckt ca. 15 Minuten köcheln lassen. Den Blumenkohl waschen und in kleine Röschen teilen, ca. 8 Minuten vor Ende der Garzeit zu den Linsen geben. Die Brühe würzig mit Jodsalz, Pfeffer und etwas Curry abschmecken. Den Eierstich in Rauten schneiden, zur Suppe dazu servieren.

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