Nicht nur Muskeln kann man trainieren - sondern auch das Gehirn, wenn es wegen einer Erkrankung eingeschränkt funktioniert.
Nicht nur Muskeln kann man trainieren - sondern auch das Gehirn, wenn es wegen einer Erkrankung eingeschränkt funktioniert.
Training fürs Gehirn
Mit Cogpack lassen sich kognitive Fähigkeiten gezielt und auf spielerische Weise verbessern.
Zahlreiche Erkrankungen beeinträchtigen die geistigen Fähigkeiten. Sich konzentrieren können, sich etwas merken, kopfrechnen, sprechen – all das kann nach einem Schlaganfall oder aufgrund einer Depression, einer Schizophrenie oder einer anderen Erkrankung beeinträchtigt sein. Vielleicht hat auch eine Covid-Infektion dazu geführt, dass kognitive Defizite auftreten. „Mit Cogpack kann man je nach Erkrankung die Hirnleistung erhalten oder auch wieder verbessern“, erklärt Dr. Dr. Ralph-Michael Karrasch, Chefarzt der Klinik Hartwald im fränkischen Bad Brückenau. „Das Programm wird seit 1986 klinisch genutzt und hilft Menschen dabei, bestimmte Bereiche des Gehirns gezielt zu trainieren.“ Cogpack besteht aus verschiedenen Übungsmodulen, die Aufmerksamkeit, Gedächtnis, räumliche Orientierung und logisches Denken fördern. „Da geht es um ganz alltägliche Dinge“, sagt der Psychiater. „Rechnen, Sprache, Konzentration, logische Aufgaben – die interaktiven Übungen werden am Computer durchgeführt und machen oft sogar Spaß.“ Zum Beispiel müssen auf dem Bildschirm „Sterntaler“ gesammelt werden. Oder es sind Muster versteckt, die gefunden werden müssen. Manchmal ist auch ein Weg durch ein Labyrinth zu suchen. „Gedächtnis, räumliche Vorstellungskraft, Reaktionsschnelligkeit – die unterschiedlichen Übungen fordern das Gehirn heraus“, so Karrasch. „Da es die Fähigkeit hat, sich unablässig weiterzuentwickeln, kann es durch das richtige Training auch seine Funktionen wieder verbessern oder sogar wiederherstellen.“

Die interaktiven Übungen zielen darauf ab, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, räumliche Orientierung und logisches Denken spielerisch zu fördern.
Fortschritte heben die Stimmung Das liegt an der sogenannten „neuronalen Plastizität“ des Gehirns, also seiner Fähigkeit, neue Verbindungen zwischen Nervenzellen zu schaffen. „Das ist wie beim Erlernen eines Instruments“, erklärt Dr. Dr. Karrasch. „Wenn man bestimmte Dinge immer wieder praktiziert, werden diese Bereiche im Gehirn stärker aktiviert. Das nutzen wir auch, um kognitive Fähigkeiten zurückzuholen.“ Auch wenn es Menschen also aktuell schwerfällt, sich zu konzentrieren oder sich Dinge zu merken, können sie mit regelmäßigem Training häufig spürbare Verbesserungen erzielen. „Wenn Fortschritte erzielt werden, hebt das dann auch oft Stimmung und Motivation.“ Dabei geht es nicht darum, perfekt zu sein oder zu werden. Sondern darum, überhaupt Fortschritte zu machen. Diese werden Schritt für Schritt dokumentiert. „Vor allem depressive Menschen haben oft das Gefühl, nicht mehr richtig zu funktionieren. Sie sind dadurch frustriert, vermeiden vieles und gehen in die Passivität. Wenn sie durch das Training Verbesserungen erkennen, gibt ihnen dies oft Motivation zurück“, betont der Chefarzt der Klinik Hartwald. „Wir führen anfangs eine Anamnese durch und besprechen mit den Patientinnen und Patienten, was sie selbst verbessern möchten. Anschließend erfolgt ein Test, welcher Bereiche erkennen lässt, die gefördert werden sollten. Dann werden bestimmte Übungen ausgewählt und mehrmals in der Woche durchgeführt.“ Flexibles Training unter therapeutischer Begleitung In der Klinik Hartwald gibt es dafür einen eigenen Raum. In diesem stehen die Computer, die für das Training benötigt werden. Die Therapeutin oder der Therapeut kann die Menschen dabei begleiten. Eine Therapieeinheit dauert 30 bis 45 Minuten. „Manche Patientinnen und Patienten sind anfangs skeptisch, ängstlich und setzen sich unter Druck. Auch um dem entgegenzuwirken, ist eine therapeutische Begleitung notwendig“, so Karrasch. Sollten im Rahmen des Trainings Überforderungen auftreten, können Anpassungen vorgenommen und beispielsweise die Trainingszeit reduziert werden. Denn Cogpack kann flexibel genutzt werden.
Fünf Fakten zu Cogpack
Computergestütztes Programm für kognitives Training von Gedächtnis, Konzentration und logischem Denken. Wird eingesetzt bei Erkrankungen, die geistige Leistungen einschränken. Zum Beispiel nach Schlaganfällen oder bei Depressionen, Schizophrenie, Post-Covid und Tumorerkrankungen. Interaktive Übungen werden auf die jeweiligen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten abgestimmt. Genutzt wird die Fähigkeit des Gehirns, sich durch Training zu verändern und zu stärken (neuronale Plastizität). Unterhaltsam und spielerisch fördert Cogpack Konzentration und Gedächtnisleistung. Man sammelt zum Beispiel Punkte, erkennt Muster, löst Rätsel … Nutzen kann man Cogpack in der Klinik Hartwald. Außerdem gibt es eine spezielle Version, die Menschen zu Hause am eigenen Computer nutzen können.