Beides zugleich behandeln
Nach einer Krebserkrankung können auch Lymphödeme auftreten. Das Reha-Zentrum Bad Nauheim bietet ärztliche und therapeutische Begleitung für beide Erkrankungen.
Die Atmosphäre in dieser Reha-Klinik sei besonders schön, weil sie frei ist. Weil man selbst mitgestalten könne, ob man jetzt mehr Sport möchte oder ob man mehr Ruhe und Entspannung braucht. Das sagt eine Frau, die nach einer Krebstherapie im Reha-Zentrum Bad Nauheim war. Dort sind die Fachrichtungen Lymphologie und Onkologie unter einem Dach vereint. „Nach Behandlung einer Krebserkrankung, also nach einer Operation oder Bestrahlung, kommt es häufig zu Lymphödemen“, sagt Dr. Henrik Borchardt, Facharzt für Innere Medizin und Chefarzt der Klinik Taunus im Reha-Zentrum Bad Nauheim. „Darum ist es so wichtig, wenn beides zugleich, wie bei uns in der Klinik, behandelt werden kann.“ Für die Menschen da sein Für die Betreuung der maximal 212 Patientinnen und Patienten steht neben einer ärztlichen auch eine große physiotherapeutische Abteilung zur Verfügung. In dieser werden unter anderem Bewegungstherapie und komplexe physikalische Entstauungstherapie angeboten. Darüber hinaus hat das Reha-Zentrum ein auf die Krankheitsbilder abgestimmtes psychologisches Angebot sowie Sozialberatung und Schulungen. „Manche Menschen wünschen sich wegen der Krebserkrankung oder wegen der Lymphödeme psychologische Begleitung – oft auch wegen beidem. Wir können unser Angebot individuell auf die jeweilige Situation abstimmen. Je nachdem, was die Leute belastet“, so Dr. Borchardt. Dazu kommt, dass alle Therapeutinnen und Therapeuten Erfahrung sowohl im Bereich Onkologie als auch im Bereich Lymphologie besitzen. Wunden heilen lassen Eine Rehabilitation dauert üblicherweise drei Wochen. Werden die Menschen im Verlauf dieser Zeit „fitter“, kann die sportliche Betätigung gesteigert werden. Die Patientinnen und Patienten lernen auch, therapeutische Anwendungen wie bestimmte Lymphdrainagen mit Geräten selbst anzuwenden. Dr. Henrik Borchardt erinnert sich an einen Patienten, der nach der OP eines Prostatakrebses eine Thrombose im rechten Beim entwickelt hatte. „Der Patient kam zu uns mit einer fünf mal fünf Zentimeter großen Wunde, die sich zu Hause über Monate nicht geschlossen hatte. Dadurch war die Teilnahme an selbstverständlichen Dingen des Lebens, wie zum Beispiel Schwimmbadbesuchen, sehr eingeschränkt. Durch die Entstauungstherapie in Kombination mit dem professionellen Wundmanagement im Reha-Zentrum heilte die Wunde während der Reha komplett ab.“

Dr. med. Henrik Borchardt, Chefarzt der Klinik Taunus im Reha-Zentrum Bad Nauheim, mit den Oberärztinnen Dr. med. Silke Kammer (links im Bild, für die Onkologie zuständig) und Dr. med. Jeannette Marell (rechts, für die Lymphologie zuständig)
Einfach wieder stabiler werden Eine Patientin kam das erste Mal nach einer Tumorbehandlung des Unterleibs ins Reha-Zentrum Bad Nauheim. Dort wurde das entstandene Lymphödem erfolgreich behandelt. Die Patientin litt nach der Diagnose zunächst auch unter Ängsten. Seither kommt sie regelmäßig in das Reha-Zentrum, um sowohl ihre körperliche als auch ihre psychische Stabilität zu verbessern. „Durch die Unterstützung, vor allem auch die Teilnahme an Gruppenangeboten, hat sich die Situation für die Patientin immer mehr verbessert. Denn sie hat gesehen, wie andere Menschen mit diesen Erkrankungen umgehen können“, berichtet Dr. Henrik Borchardt, der auch Sozialmediziner ist. Sich selbst mit einbringen können Die Klinik Taunus im Reha-Zentrum Bad Nauheim betreut viele Frauen nach Brustkrebs. Aber auch Patientinnen nach anderen Krebserkrankungen erhalten hier Unterstützung sowie Männer nach Prostata- oder Nierenkrebsbehandlungen. „Uns bewegt immer wieder, wie Patientinnen und Patienten ihre persönlichen Reha-Ziele gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt vereinbaren. Wie sich die Menschen in die Erstellung des Behandlungsprogrammes mit einbringen – und wie sie anschließend mit unserer Unterstützung die Linderung ihrer Beschwerden und eine gute Rückkehr in ihren Alltag aktiv selbst mit in die Hand nehmen“, fasst Dr. Borchardt das Miteinander in der Klinik zusammen.