Portrait von Prof. Dr. Volker Köllner auf dem Klinikgelände

Was eine Reha bei Post-Covid bringt

Prof. Dr. Volker Köllner, Ärztlicher Direktor des Reha-Zentrums Seehof, forscht darüber, wie Post-Covid-Erkrankte von einer Rehabilitation profitieren. Die Ergebnisse sind ermutigend.

Mit Corona hat sich nicht nur ein neuartiges Virus ausgebreitet. Es stellt auch neue Anforderungen an die Rehabilitation von Menschen, die chronisch an den Folgen leiden. Ständige Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen oder erschwertes Atmen: Die Symptome von Patientinnen und Patienten mit Post-Covid sind vielfältig. Viele Reha-Kliniken haben sich darauf eingestellt und bieten Therapien speziell für Post-Covid-Erkrankte an. Doch wie gut wirken diese stationären Maßnahmen?

Prof. Dr. Volker Köllner, Ärztlicher Direktor des Reha-Zentrums Seehof der Deutschen Rentenversicherung Bund in Teltow bei Berlin, kann diese Frage nicht nur anhand von Erfahrungen aus der Praxis beantworten. Als Leiter der Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation an der Berliner Charité befasst er sich mit dem Thema auch wissenschaftlich. In einer Pilotstudie untersuchte er, wie sich die Symptome von 50 Post-Covid-Patientinnen und -Patienten zwischen ihrer Aufnahme in die Reha und ihrer Entlassung fünf Wochen später entwickelten.

Portrait von Prof. Dr. Volker Köllner auf dem Klinikgelände

Die Fitness steigt „Die Ergebnisse waren sehr ermutigend“, sagt Prof. Dr. Köllner. Nicht nur die psychische Belastbarkeit habe sich erhöht, sondern auch die Fitness. Das zeigte sich im Sechs-Minuten-Gehtest. „Die Patientinnen und Patienten legten am Ende der Reha 80 Meter mehr zurück als zu Beginn. Die Strecke lag mit 500 Metern fast im normalen Bereich.“ Dass Anstrengung jenen Menschen schade, die als Langzeitfolge unter dem chronischen Fatigue-Syndrom leiden, habe sich nicht bestätigt. „Niemand hat am Ende im Gehtest schlechter abgeschnitten als zu Reha-Beginn. Das spricht dafür, dass wir die Patientinnen und Patienten mit unserem individuell angepassten Bewegungsprogramm nicht überfordert haben.“ Er betonte, dass damit nicht ausgeschlossen sei, dass ein zu starres und überforderndes Programm auch schaden kann. Entsprechende Berichte Betroffener müssen ernst genommen werden. Das hier untersuchte Konzept hat sich aber als effektiv und sicher erwiesen. Weitere Ergebnisse soll nun die größer angelegte PoCoRe-Studie mit 1100 Teilnehmenden liefern, an der sich Prof. Dr. Köllner mit dem Reha-Zentrum Seehof sowie sechs weitere Reha-Kliniken beteiligen. Mit dabei sind Einrichtungen, die auf neurologische, kardiologische, psycho­somatische oder pneumologische Erkrankungen spezialisiert sind. Das Vorhaben wird von der Deutschen Rentenversicherung Bund gefördert. Bis November werden die Daten zum unmittelbaren Reha-Ergebnis vorliegen, Nachbefragungen zum Langzeitverlauf über bis zu zwei Jahre sind in der Vorbereitung. „Soviel sei verraten: Die Ergebnisse der Pilotstudie haben sich bestätigt und zeigen positive Effekte bei der psychischen Belastbarkeit sowie bei Aktivität und Teilhabe“, erklärt Prof. Dr. Köllner. Individuelle Therapien gefragt Als „Sorgenkind“ bezeichnet er die kognitiven Beeinträchtigungen wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen. „Die Verbesserungen während einer Reha sind in diesem Bereich im Durchschnitt eher gering“, sagt Prof. Dr. Köllner. „Das Nervensystem braucht viel Zeit, um sich zu regenerieren. Die Reha kann aber eine Initialzündung für das Gehirn sein.“ Außerdem fördere die Zeit in der Klinik das Verständnis für die Erkrankung. Betroffene lernen, besser mit ihren Einschränkungen im Alltag umzugehen und können sich untereinander austauschen. Für den Mediziner ist klar: In der Behandlung von Post-Covid-Erkrankten ist die Zusammenarbeit mehrerer Fachrichtungen wichtig, da die Symptome vielfältig sind. „Wir brauchen unterschiedliche Bausteine wie kognitives Training, Bewegung, psycho­therapeutische Unterstützung, Atem- und Aromatherapie“, sagt er. Schließlich soll jede Patientin und jeder Patient während der Rehabilitation die Unterstützung erhalten, die die Gesundheit individuell am besten fördert. Die Ergebnisse der PoCoRe-Studie werden dazu beitragen, die bereits etablierten und nachweislich effektiven Reha-Konzepte noch gezielter auszurichten.

Therapien speziell für Post-Covid-Erkrankte bei der Deutschen Rentenversicherung Bund
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